Erschreckend: Onlinebewertungen können Sie nicht trauen


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Bewertungen Video Symbolbild
(Foto: chinnarach/stock.adobe.com)

Orientieren Sie sich auch an Bewertungen von Artikeln in Onlineshops oder Rezensionen bei Urlaubsreisen und Hotels? Diese sind immer häufiger gefälscht. Denn immer mehr Firmen beeinflussen Bewertungen, um sich in einem guten Licht darzustellen. Das Produkt hält dann womöglich nicht, was die Fake-Bewertung verspricht.

Der Onlinehandel boomt und damit stellt sich oft auch die Frage, welches Produkt besser ist. Anders als im Einzelhandel gibt es online oft keine Kaufberatung. Der Kunde muss sich selbst informieren und für den richtigen Artikel entscheiden. Bei der Entscheidungsfindung verlassen sich viele Käufer auf die Bewertungen, die es in fast jedem Onlineshop und auf Bewertungsportalen gibt. Doch nicht immer stammen diese Beurteilungen des Produktes von echten Kunden, sondern sind gekauft.

Die Reporter der Sendung Marktcheck des SWR haben die Kundenrezensionen überprüft und hinterfragt, wie diese überhaupt entstehen. Sie sind zu dem Ergebnis gekommen, das ein großer Teil schlicht als Fake bezeichnet werden muss. Händler aus dem fernen China kaufen jeden Tag Tausende gefälschter Bewertungen bei echten Amazon-Kunden. Denn je mehr positive Einstufungen, umso höher das Ranking bei der Amazon-Suche.

Haben Sie diese Videos schon gesehen?

Gruppenchat bei WhatsApp und Facebook

Marktcheck berichtet, dass die Vermittlung der positiven Bewertungen oft über WhatsApp-Gruppen stattfindet. Auf Facebook existieren ähnliche Gruppen, berichtet „Das Erste“. Hier findet der interessierte Kunde Gruppen mit bis zu 150 Teilnehmern und Hunderten von Produktangeboten. Das Ganze funktioniert so: Man kauft ein Produkt über die Gruppe und schreibt nach mindestens acht Tagen eine positive Bewertung von zwei bis drei Sätzen. Anschließend bekommt der Käufer sein Geld zurück, vorausgesetzt er hat eine sehr gute Bewertung abgegeben. Am Ende bekommt man also die Ware umsonst.

Laut Rechtsanwalt Christian Solmecke ist das Vorgehen der Händler illegal, wenn es eine Verpflichtung des Käufers zu einer positiven Bewertung gibt und im Gegenzug das Produkt kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Der Verbraucher wird getäuscht und der Wettbewerb verzerrt. Dass die Bewertung honoriert wurde, müsste nach dem Wettbewerbsrecht gekennzeichnet sein. 


Verkauf von Bewertungen als Geschäftsmodell

Da die chinesischen Hersteller in Deutschland nicht direkt nach käuflichen Kunden suchen können, benötigen diese einen Vermittler. Dieser ist dafür zuständig, unlautere Kunden zu finden, die für ein kostenloses Produkt eine 5 Sterne Bewertung abgeben. Im Gegenzug erhält der Vermittler dann eine Provision für jede platzierte Bewertung. Das kann für die Vermittler ein sehr lukratives Geschäft sein.

Im Angebot sind vor allem Produkte aus China

Auffällig ist, dass immer wieder chinesische Produkte in den Chat-Gruppen angeboten werden. Mit der Methode „Fünf Sterne, dann gibt es das Geld zurück“ versuchen die Händler aus dem Reich der Mitte sich einen Vorteil im Konkurrenzkampf zu verschaffen. Der Branchenkenner Mark Steier geht davon aus, dass die asiatischen Händler sehr pragmatisch vorgehen. Mehr positive Rezensionen bedeutet mehr Zugang zum deutschen Markt. „Made in China“ ist als Herkunftsbezeichnung immer ein Makel gewesen. Und so versucht man mit Tausenden von Händlern diesen Nachteil auszugleichen. Wenn einer auffliegt, fällt das nicht ins Gewicht.


Algorithmus mit Schwächen

Angesichts dieser Geschäftspraktiken wird der Ruf nach strengeren Regeln bei Amazon immer lauter. Denn schließlich verdient das Unternehmen bei allen Verkäufen auf seiner Plattform 10 bis 20 Prozent. Und tatsächlich werden die Bewertungen überprüft. Amazon gibt an, dass ein Algorithmus eingesetzt wird, „um wöchentlich mehr als 10 Millionen Rezessionen zu analysieren“. Fliegt ein Kunde mit seinen gut gemeinten Kritiken auf, werden alle seine Bewertungen gelöscht. Die Software kann aber leicht ausgetrickst werden. Nach zwei negativen Rezessionen darf der Schreiber weiter bewerten.

Wir alle sind aber im Netz auf die Meinungen anderer angewiesen, denn wir haben die Ware nicht tatsächlich vor uns, kennen den Händler nicht und werden auch nicht beraten. Wie können wir uns also schützen? Die Ratgeberseite des MDR gibt dazu ein paar Hinweise. Wenn ausschließlich positive Bewertungen mit fünf Sternen innerhalb kurzer Zeit vorkommen, könnten diese gefälscht sein. Verdächtig ist außerdem, wenn mit der Markteinführung Rezensionen massenhaft ins Netz gestellt werden. Die Aktivitäten der Bewerter geben ebenfalls Auskunft über seine Interessen. Im Profil ist feststellbar, ob er jederzeit fünf Sterne vergibt oder immer wieder denselben Text schreibt. Schließlich enttarnt die App „ReviewMeta“ mögliche Fälscher.


Haben Sie das schon gesehen?

Das Risiko für den Kunden ist überschaubar

Obwohl gefälschte Bewertungen den Markt verzerren, meinen wir das die Folgen für den Kunden überschaubar sind. Das trifft jedenfalls für den Versandriesen Amazon zu. Letztlich verlieren Sie als Kunden meist nur Zeit. Denn spätestens wenn die Ware bei Ihnen zuhause eintrifft, können Sie diese prüfen. Hält der Artikel nicht, was die Beschreibung und die Bewertungen versprechen, senden Sie ihn einfach zurück. Bei Urlaubsreisen ist das freilich viel problematischer. Dann bleibt der Reisende meist auf einem minderwertigen Urlaub sitzen. 


So testen Sie legal Produkte auf Amazon 

Wir raten Ihnen davon ab, den unseriösen Weg gefälschter Produktbewertungen zu beschreiten. Amazon bietet mit Amazon Vine selbst ein Produkttester-Programm an. Der Versandhändler stellt Vine-Mitgliedern kostenlose Produkte zur Verfügung, die von teilnehmenden Anbietern an das Programm übergeben wurden. Die Vine-Mitglieder müssen die Produkte mit Ihrer unabhängigen Meinung bewerten. Der Anbieter kann diese Bewertungen nicht beeinflussen, ändern oder bearbeiten. Lesen Sie mehr zu Amazon-Vine.


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