Betrug: E-Mail Haftantritt von Rechtsanwaltskanzlei Hermann ist Fake


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Immer wieder flattern fingierte Strafbefehle mit dem Hinweis zur Vollstreckung in die virtuellen Briefkästen der Verbraucher. Aktuell versendet angeblich die Kanzlei Hermann Online Recht aus Hamburg eine E-Mail. In den Schreiben geht es um eine angebliche Haftstrafe oder eine Urheberrechtsverletzung. Entsprechend groß ist der Schreck bei den Empfängern. Eine Rückmeldung soll an die Kanzlei erfolgen. Wir warnen: Nehmen Sie keinen Kontakt auf.

Kriminelle denken sich immer wieder neue Maschen aus, mit denen Sie ahnungslose Verbraucher beeindrucken können. Dabei spielen Haftbefehle immer wieder eine große Rolle. Wir haben beispielsweise über einen falschen BKA-Beamten berichtet, der eine Kaution für einen Haftbefehl kassiert hat. Dann gab es die Betrugsmasche mit gefälschten Haftbefehlen und nicht zuletzt die Briefe von einem türkischem Gericht wegen einem Strafverfahren. Auch die Schreiben der diverser Kanzleien sind uns noch gut im Gedächtnis.

Alles beginnt mit einer E-Mail. Diese wird oft wahrgenommen, da die Nachricht mit persönlichen Daten versehen ist. In der E-Mail wird der Empfänger darüber informiert, dass ein Strafbefehl eingegangen ist. Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen ZV/2019-N202939 geführt. In der E-Mail wird um Rückmeldung bei der Kanzlei Hermann Matthias und Partner aus Nürnberg gebeten.

Wie sieht das schreiben aus?

Die E-Mail kommt derzeit von der Kanzlei Hermann. Der Absender lautet daher Kanzlei Hermann <kanzlei.anwalt.hermann@gmail.com>. Als Telefonnummer der Kanzlei ist 0911/47776819 angegeben. Dies kann sich aber jederzeit ändern.

Diese Absender sind ebenfalls bekannt:

  • Kanzlei Hermann Online Recht, Neuer Wall 80, 20345 Hamburg, kanzlei.anwalt.hermann@gmail.com, Telefon: 040/22637467, Aktenzeichen: JVC/2019-9120-49731

Zunächst fällt auf, dass die Schreiben personalisiert und mit Ihren Adressdaten versehen sind. So beginnt die E-Mail mit Ihren Daten:

Ihr Zeichen: ZV/2019-N203039

Herr
Max Mustermann 01.01.1911
Musterstraße 1
11111 Musterstadt
Deutschland

-Vorab per Mail-

Anschließend folgt das Schreiben:

Sehr geehrte(r) Max Mustermann,

der Strafbefehl vom 02.01.2020 ist hier am 10.01.2020 eingegangen. Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen
ZV/2019-N203039 geführt. Dieses Aktenzeichen ist bei allen Eingaben anzugeben. Teilen Sie bitte
Anschriftenänderungen sofort mit und übersenden Sie alle Schriftsätze sowie auch beigefügte Unterlagen 2-fach.
Falls Mehrausfertigungen und Anlagen nachgereicht werden soll, ist dies kenntlich zu machen.
Werden die erforderlichen Ablichtungen nicht eingereicht, können die Kosten für deren Anfertigung eingezogen werden.

!! SEHR WICHTIG !!

Zusatz:

Um Erledigung innerhalb von 1 Tag wird gebeten.

Rückmeldung bzgl. Haftantritt.

Sollten Sie diese Frist nicht einhalten können, teilen Sie bitte unter Angabe der Hinderungsgründe
den voraussichtlichen Zeitpunkt mit.

Seit dem 01.01.2013 können in Rechtssachen Verfahrensanträge und sonstige Schriftsätze auch als
Dateien über das elektronische Gerichts- und Verwaltungspostfach ( EGVP) rechtswirksam eingereicht werden

Kanzlei Hermann Matthias und Partner
ZeltnerEck building, Zeltnerstraße 1-3/3rd Floor,
90443 Nürnberg, Deutschland
Tel: 0911 477 768 19

 

Sprechzeiten sind vom Montag bis Freitag 10:00-18:00

Angehängt sind der E-Mail noch Dokumente, die die Echtheit des Ganzen belegen sollen. Das Schreiben der Staatsanwaltschaft über die „Strafvollstreckung gegen Sie“ sowie das Schreiben eines Richters vom Amtsgericht, dass Sie die Kosten und Auslagen des Verfahrens zu tragen haben. Auch der gelbe Briefumschlag darf natürlich nicht fehlen.

Aus Erfahrung wissen wir, dass die Kriminellen die Daten in den Schreiben immer wieder anpassen. Sollten Sie dieses Schreiben mit anderen Daten bekommen haben, leiten Sie uns dieses bitte an kontakt@verbraucherschutz.com weiter.


Ist der Strafbefehl echt?

Sie müssen sich keine Sorgen machen. Es gibt gegen Sie weder einen Strafbefehl, noch müssen Sie in Haft oder gar etwas bezahlen. Auf die E-Mail sollten Sie nicht reagieren. Sie können diese löschen.

Übrigens: Selbst wenn es einen Strafbefehl gegen Sie geben würde, dann würde nicht eine beliebige Anwaltskanzlei, sondern die Justizbehörde Kontakt mit Ihnen aufnehmen.

Was passiert, wenn Sie Kontakt aufnehmen?

Dann bekommen Sie unter Umständen eine neue E-Mail. Darin wird Ihnen erklärt, auf welches Konto Sie den Betrag in Höhe von 475,50 Euro überweisen sollen und das Sie einen Beleg der Überweisung als Beweis senden sollen. Dann würde der ganze Vorgang erneut geprüft werden. So sieht die Folge-Mail aktuell aus:

Sehr geehrte Frau Mustermann,

damit der Haftbefehl gegen Sie aufgehoben wird muss die die Strafe in höhe von 475,50 EUR
bei uns hinterlegt werden.
Sobald Sie uns den Beleg senden werden folgende Schritte eingeleitet.

1. Aufhebung des Haftbefehls
2. Antrag auf Neuüberprüfung

 

Bitte senden Sie umgehend uns den Zahlungsbeleg zu

Bedanke mich für Ihr Verständniss Herzlich, verbleibe
mit freundlichen Grüßen

R.A Schmidt Rolf

Empfänger: O. Keles
Iban: LT83 3500 0100 0726 5973
Betrag: 475,50 EUR
Verwendungszweck: Ihr Aktz. ( Bitte dringend Angeben )

Dieses Schreiben wird aktuell von bernd zahlungen <zahlbehoerde@gmail.com> versendet. Kurios ist, dass der im Schreiben genannte Rechtsanwalt nicht der Empfänger des Geldes und auch nicht der Absender ist. Auch dieses Schreiben ist nicht echt. Nach unseren Analysen handelt es sich bei dem tatsächlichen Absender der E-Mail um die gleichen Betrüger, die seit Monaten ahnungslose Verbraucher mit vermeintlichen Streaming-Abos abzocken. Zuletzt tauchten die Ganoven als E-Mail Kontopfändung von Kanzlei Baumgarten und Kollegen auf und drohten mit Kontopfändung.

 

Das sollten Sie mit der E-Mail tun

Bei der Nachricht handelt es sich um Betrug. Sie sollten die E-Mail deshalb ignorieren und auf keinen Fall Kontakt mit dem angegebenen Absender aufnehmen. Sie sollen mit dieser E-Mail abgezockt werden. Überweisen Sie keine Geld und lassen Sie sich nicht einschüchtern.

Sie haben bereits überwiesen?

Sollte diese Warnung zu spät kommen und Sie haben bereits überwiesen, sollten Sie schnell handeln. Eventuell können Sie per Kontakt zu Ihrer Bank die Überweisung noch stoppen. Sinnvoll ist es, vorher zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten. Dies ist auch online möglich (Anleitung Strafanzeige online erstatten). Gehen Sie lieber selber zur Polizei? Dann sollten Sie auf jeden Fall wissen, was Sie beim Erstatten der Strafanzeige beachten müssen. Mit dem Aktenzeichen können Sie dann zu Ihrer Bank gehen und versuchen, die Zahlung zu stoppen.


Haben Sie diese ominöse Post auch bekommen?

Bitte hinterlassen Sie einen Kommentar unterhalb des Artikels. uns interessiert, wo die E-Mails versendet werden. Deshalb wäre es hilfreich, wenn Sie uns schrieben in welchem Bundesland Sie die betrügerische E-Mail erhalten haben.

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2 Kommentare zu Betrug: E-Mail Haftantritt von Rechtsanwaltskanzlei Hermann ist Fake